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Artikel: Genarbtes Leder: Was es ist und ob es echt ist

Drei taupefarbene Ledermuster mit länglicher Narbung, rundlicher Körnung und feiner kompakter Narbung auf einer Eichenwerkbank im Atelier.

Genarbtes Leder: Was es ist und ob es echt ist

Genarbtes Leder hat eine erhabene, gerundete Oberflächenstruktur, die an feines Kopfsteinpflaster erinnert. Es wird häufig für Taschen verwendet, weil es Schrammen und Kratzer kaschiert und sich in der Hand substanziell anfühlt.

Die Struktur entsteht auf zwei Wegen: Sie kann wachsen oder eingeprägt werden. Fast jedes genarbte Leder auf dem Markt ist geprägt. Zu erkennen, wie sie sich unterscheiden, ist die nützlichste Information auf dieser Seite.


Was ist genarbtes Leder?

Genarbtes Leder, auch als Pebble Grain bezeichnet, trägt auf seiner Oberfläche ein regelmäßiges Muster kleiner runder Erhebungen. Die Oberfläche liegt damit auf zwei Ebenen statt auf einer.

Darin liegt der gesamte Grund für seine Verwendung. Eine genarbte Oberfläche hält nicht länger als eine glatte. Sie zeigt weniger Gebrauchsspuren. Wenn eine Tasche an einem Schreibtisch oder einer Autotür entlangstreift, trifft der Kontakt die erhöhten Stellen; die Vertiefungen dazwischen werden kaum berührt. Ein Kratzer, der als klare Linie über eine glatte Oberfläche verliefe, zerfällt auf den Erhebungen in kurze Spuren, die das Auge als Struktur statt als Schaden wahrnimmt.

Das Leder darunter verschleißt im selben Tempo. Sie sehen davon lediglich weniger.

Der Begriff beschreibt die Oberflächenstruktur. Für sich genommen sagt er nichts darüber, welche Schicht der Haut verwendet wurde oder von welchem Bereich des Tieres sie stammt.


Wie die Körnung entsteht: gewachsen oder geprägt

Gewachsen. Manche Häute besitzen eine natürliche Körnung. Sie ist unregelmäßig, unterscheidet sich innerhalb einer Fläche in ihrer Größe, und keine zwei Bereiche sind gleich.

Geprägt. Viel häufiger wird die Struktur eingeprägt: Das Leder läuft unter einer beheizten Platte oder Walze mit dem entsprechenden Muster hindurch, die es dauerhaft in die Oberfläche drückt.

Keines der beiden Verfahren ist unehrlich. Prägen ist eine anerkannte Technik, die auch bei hervorragendem Leder eingesetzt wird. Doch beide verhalten sich unterschiedlich, und es gibt eine einfache Möglichkeit, sie auseinanderzuhalten.

Suchen Sie nach Wiederholungen. Ein geprägtes Muster stammt von einer Platte, deren Motiv begrenzt ist. Deshalb wiederholt sich das Muster in Abständen auf der Fläche. Eine natürliche Körnung wiederholt sich nie. Bei Streiflicht lässt sich die Wiederholung auf einer großen Fläche meist erkennen, wenn man weiß, worauf man achten muss.

Und betrachten Sie die Größe. Eine natürliche Körnung verändert sich über die Haut hinweg: In manchen Bereichen ist sie feiner, in anderen gröber, weil die Haut selbst variiert. Ein geprägtes Muster hat überall dieselbe Größe, auch in Bereichen, in denen sich ein echter Narben verändern würde.

Beides ist dieselbe Beobachtung aus zwei Blickwinkeln: Eine Platte ist gleichmäßig, ein Tier nicht.

Mit derselben Technik entsteht Saffiano, allerdings mit einer Platte, die ein feines Kreuzschraffurmuster statt einer Körnung trägt. Es ist derselbe Arbeitsgang mit einem anderen Prägestempel.

Natürliche Körnung Geprägte Körnung Saffiano
Ursprung der Struktur Die Haut selbst Eine beheizte Platte Eine beheizte Platte
Wiederholt sich auf der Fläche Nie Ja Ja, als regelmäßige Kreuzschraffur
Gleichmäßigkeit Variiert Gleichmäßig Sehr gleichmäßig
Kann auf eine korrigierte Oberfläche aufgebracht werden Nein Ja Ja

Refined Pebble, Polished Pebble und andere Handelsnamen

Mehrere Bezeichnungen für genarbtes Leder sind Handelsnamen oder markeneigene Namen statt Materialbeschreibungen. Sie lassen sich zwischen Anbietern nicht vergleichen.

„Refined Pebble“ und „Polished Pebble“ gehören in diese Gruppe. Sie beschreiben ein bestimmtes Erscheinungsbild, dem ein Anbieter einen Namen gegeben hat, meist eine feinere oder flachere Körnung mit einer gewissen Oberflächenpolitur. Keiner der Begriffe bezeichnet eine Qualitätsstufe, und keiner verrät, welche Hautschicht darunterliegt.

Es ist dasselbe Prinzip wie bei „Refined Grain“ an anderer Stelle des Ledervokabulars: Ein technisch klingendes Wort übernimmt die Aufgabe einer Beschreibung. Fragen Sie stattdessen nach Hautschicht, Zuschnitt und Zurichtung.


Ist genarbtes Leder echtes Leder?

Ja, wenn das Trägermaterial eine Haut ist. Auch die Körnung ist insofern echt, als sie tatsächlich in der Oberfläche vorhanden und nicht als Bild aufgedruckt ist.

Die eigentliche Frage lautet meist, ob die Struktur vom Tier selbst stammt. Bei den meisten genarbten Ledern auf dem Markt lautet die ehrliche Antwort: Sie wurde eingeprägt. Das macht es nicht zu Kunstleder. Es macht es zu zugerichtetem Leder.

Die Körnung wird auch häufig auf beschichtete Gewebe aufgebracht, die gar kein Leder enthalten. Sie auseinanderzuhalten ist schwieriger, als die üblichen Ratschläge nahelegen. Die Schnittkante entscheidet die Frage nicht mehr, denn moderne Mikrofaserkunststoffe basieren auf Vliesträgern und sehen an den Kanten ebenfalls faserig aus.

Wie viele weitere Anhaltspunkte Sie haben, hängt von der Zurichtung ab. Bei leicht zugerichtetem oder anilingefärbtem genarbtem Leder lassen sich noch Unterschiede zwischen den Flächen erkennen, weil Häute variieren und eine Kunststoffrolle nicht. Auch hat die Oberfläche noch einen Geruch. Bei stark pigmentiertem genarbtem Leder lässt sich beides nicht mehr wahrnehmen: Die Beschichtung verdeckt die Unterschiede und schließt den Geruch ein; es bleibt kaum etwas festzustellen.

Das Gewicht hilft in beiden Fällen, ebenso ein Anbieter, der das Leder genau benennt. Darüber hinaus lautet bei einer vollständig beschichteten Oberfläche die ehrliche Antwort: Der Unterschied liegt im Trägermaterial darunter, nicht in etwas Sichtbarem.


Ist genarbtes Leder gut, und wie zeigt es Gebrauchsspuren?

Für eine Tasche ist genarbtes Leder aus dem genannten Grund eine praktische Wahl: Kontakt trifft die Erhebungen, und das Muster unterbricht jede Spur. Schrammen und Kratzer fallen dadurch deutlich weniger auf als auf einer glatten Oberfläche.

Es lohnt sich, diesen Vorteil genau zu benennen. Das Leder ist nicht haltbarer und die Zurichtung nicht widerstandsfähiger. Sie gewinnen vielmehr, dass das Stück länger unversehrt aussieht. Bei einer täglich getragenen Tasche ist das viel wert, auch wenn es nicht dasselbe ist wie eine längere Lebensdauer.

Der Nachteil: Eine Prägung lässt sich auch auf eine geschliffene und korrigierte Oberfläche aufbringen und verdeckt dann auch das. Eine genarbte Zurichtung sagt nichts darüber aus, was darunterliegt. Genau deshalb wird sie sowohl für hervorragendes als auch für mittelmäßiges Leder eingesetzt.

Klarheit schaffen die üblichen vier Fragen. Welche Schicht der Haut? Von welchem Bereich des Tieres stammt der Zuschnitt? Denn eine genarbte Bauchpartie wird genauso nachgeben wie eine glatte. Wie wurde es gegerbt: pflanzlich über Wochen oder mit Chrom an einem Tag? Und welche Zurichtung hat es? Denn eine geprägte und versiegelte Oberfläche entwickelt kein Eigenleben, unabhängig davon, was darunterliegt.


Genarbtes Leder pflegen

  1. Bürsten Sie vor dem Abwischen den Staub mit einer weichen Bürste aus den Vertiefungen. Dort sammelt er sich und wirkt scheuernd.
  2. Wischen Sie mit einem kaum feuchten Tuch in Richtung der Struktur, statt quer darüber zu schrubben.
  3. Abseits von Wärme trocknen lassen.
  4. Pflegemittel sparsam verwenden und mit einem Tuch einarbeiten, statt es in den Vertiefungen stehen zu lassen.
  5. Bei Anilinleder werden die erhöhten Stellen zuerst dunkler und blanker.

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